Das Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart an diesem Samstag in Berlin ist das größte Spiel in der Vereinsgeschichte von Arminia Bielefeld. Dementsprechend gehen die Ostwestfalen das an. Erstmals reisten sie im feinen Anzug zu einem Spiel. Dazu wurde geflogen – mit dem Charter vom Flughafen Paderborn/Lippstadt in die Hauptstadt. Maßnahmen, die vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen wären. Denn die Arminia war ziemlich klamm.
Rückblick: Als Bielefeld vor zwei Jahren aus der Bundesliga bis in die 3. Liga durchgereicht wurde, gab es eine Liquiditätslücke von 12,6 Millionen Euro. „Als wir in die 3. Liga abgestiegen sind, war die Lizenz sehr gefährdet. Wir mussten wie beim Hochsprung über eine Latte springen, die ordentlich gewackelt hat“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Wortmann (48).
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„Ich stand mit nur zwei unter Vertrag stehenden Spielern, ohne Trainer und Staff da. Weder die Vorbereitung noch Testspiele waren geplant“, sagt Mutzel, der am 7. Juni 2023 das sportliche Kommando übernahm. Innerhalb weniger Tage verpflichtete er Kniat, von dem er bereits nach fünf Minuten im Vorstellungsgespräch überzeugt war, und baute mit dem Coach innerhalb von drei Wochen einen Kader, der in der Saison 2023/24 lange gegen den Abstieg kämpfte – aber den kompletten Absturz in die 4. Liga verhinderte.
Eine lehrreiche Zeit, von der Bielefeld nun profitiert.
Die Mannschaft war eingespielt und wird von Mael Corboz (30) als Kapitän eindrucksvoll geführt – nachdem Fabian Klos (37) seine Karriere 2024 beendete. Ergebnis: Durch einen erfolgreichen Endspurt in der Rückrunde (9 Siege in den letzten 11 Spielen, bei zwei Unentschieden) gelang die Zweitliga-Rückkehr.
Was vor allem wirtschaftlich enorm wichtig für den Verein ist. Denn mit 1,3 Millionen Euro TV-Geld in der 3. Liga ist wenig machbar. In der 2. Liga bekam die Arminia in der Saison 2022/23 noch rund 20 Millionen Euro. „Wir mussten in allen Bereichen enorm viel einsparen, um die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen“, sagt Mutzel.
[–>Zu den Auswärts-Begegnungen reiste das Team im Bus. Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels waren tabu. Als die Mannschaft vor einem Jahr das neue Trainingszentrum bezog, waren die Räume fast leer. Erst als die Arminia während der Saison im Pokal erfolgreich war und zusätzlich Geld einnahm, wurde der Komplex hübsch gemacht. Die Spieler erhielten eine Sauna, ein Wärmebecken, und der Kraftraum wurde mit Geräten ausgestattet.
Inklusive Zuschauer-Einnahmen flossen bisher rund acht Millionen Euro in die Klub-Kasse, die für die Spielzeit 2024/25 nicht eingeplant waren. Mit dem Geld konnten auch Schulden aus der Vergangenheit wie für Transfers – rund 3,6 Millionen Euro – abgebaut werden.
Für die Endspiel-Teilnahme gibt es nochmals mindestens 2,88 Millionen Euro Prämie vom DFB, beim Erfolg wären es sogar 4,32 Millionen. Und die Bielefelder sind davon überzeugt, dass sie eine Chance haben. Mutzel: „Wir stehen verdient im Pokalfinale. Es war kein Spiel dabei, in dem wir unterlegen waren. Im Gegenteil: Wir waren immer mindestens auf Augenhöhe.“
Mitch Kniat (39) ist selbstbewusst, sagt: „Meine Mannschaft ist topfit. Wir werden uns nicht verstecken, genauso mutig spielen wie in den Spielen zuvor.“
Wie vor der Pokal-Sensation im vergangenen April gegen Leverkusen werden sich der Trainer und dessen Assistenten auch für das Stuttgart-Spiel einen besonderen Motivations-Trick einfallen lassen. Bei der Benennung der Aufstellung sind in der Kabine im Normalfall visuell die Köpfe der elf startenden Spieler auf einer Leinwand zu sehen. Vor dem Leverkusen-Spiel jedoch wurde nur ein Kopf gezeigt – der eines Hundes. Die Marschroute lautete: Als Rudel Leverkusen jagen. Was gelang.
[–>Jetzt soll Stuttgart gejagt werden. Dabei setzen die Ostwestfalen in Berlin auch auf die Geschichte. „Das Motto lautet: Fühlt euch ganz wie zu Hause! Das wollen wir den Fans vermitteln. Und vielleicht auch mit dem Wissen, dass wir es als David vor 2000 Jahren schon Goliath bzw. den Römern gezeigt haben“, sagt Wortmann.
Im Jahr 9 nach Christus besiegten die Germanen unter Arminius die Truppen des römischen Feldherrn Varus. Bis heute gilt die Schlacht – auch bekannt als Hermanns-Schlacht oder Schlacht im Teutoburger Wald – als wichtige kriegerische Auseinandersetzung der Antike. Das Hermanns-Denkmal in der Nähe von Bielefeld erinnert an das geschichtsträchtige Ereignis. Zum Pokalfinale wurde der 26,57 Meter hohen Statue ein Arminia-Trikot angezogen. Nun wollen die Biele-Helden Geschichte schreiben.
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