Dass Nico Hülkenberg (37) nach 15 Saisons in der Formel 1 noch dazulernen kann, wurde nach dem Großen Preis von Großbritannien sichtbar. Als der Deutsche längst im Raum für die Top-3-Fahrer Platz genommen hatte, trug Lando Norris (25) den Helm des Emmerichers (Nordrhein-Westfalen) herein. Hülkenberg hatte ihn vergessen.
Wäre im TV nicht zu hören gewesen, dass er schlichtweg nicht wusste, den Kopfschutz mitbringen zu müssen, hätte man denken können, der Sauber-Pilot wollte so schnell wie möglich auf das Podium. Denn für den Routinier war es das erste, im 239. Rennen seiner Karriere – nie musste ein Fahrer in der 75-jährigen Geschichte der Formel 1 länger warten.
Dass ausgerechnet Hülkenberg den Negativ-Rekord hält, ist für viele Fachleute unerklärlich. Red Bulls Motorsport-Boss Dr. Helmut Marko (82) ist einer davon. Der Österreicher zu SPORT BILD: „Für mich gehört er mit seinen Leistungen zu den Top-5-Piloten der Formel 1. Er lässt regelmäßig Fahrer hinter sich, die einen klaren Material-Vorteil ihm gegenüber haben. Man kann Nico nur Respekt zollen. Das Podium war längst überfällig.“
[–>Dreimal wurde „Hülki“ Vierter. In Silverstone raste er dem Fluch davon. Dass es so lange gedauert hat, liegt an einem anderen Schicksal. Hülkenberg zählte zwar immer zu den besten Fahrern, fuhr aber nie für eines der besten Teams.
Red-Bull-Boss Marko: „Haben überlegt, Nico zu verpflichten“
RB-Boss Marko verrät: „2020 haben wir überlegt, Nico unter Vertrag zu nehmen. Er war zwar in dem Jahr ohne Cockpit, doch wir waren von seinen Qualitäten überzeugt. Er sollte ab der Saison 2021 der Teamkollege von Max (Verstappen; d. Red.) werden.“ Am Ende entschieden sich die Leitbullen für Sergio Pérez (35). Grund: Der Mexikaner war beim vorletzten Rennen 2020 in Sachir (Bahrain) im unterlegenen Racing Point zum Sieg gerast. Hülkenberg blieb in der Ren(n)te.
Mit Ferrari war der Kontakt noch enger. Die Scuderia und der Deutsche führten 2013 intensive Gespräche. Der damalige Teamchef Stefano Domenicali (60), der heute CEO der Formel 1 ist, wollte Hülkenberg verpflichten. Der Traditions-Rennstall legte dem damaligen Sauber-Piloten einen 45-seitigen Kontrakt vor, der bis ins letzte Detail ausgehandelt war. Zum Vertragsabschluss kam es aber nie. Grund: Der damalige Konzern-Boss Sergio Marchionne († 66) legte im letzten Moment sein Veto ein. Warum er das tat, weiß Hülkenberg bis heute nicht.
Hülkenberg jubelt in Richtung seiner Mechaniker
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Der Deutsche ist nicht wehmütig. Hülkenberg, der über sich selbst sagt, dass er weder an die Vergangenheit noch die Zukunft denkt, sondern im Moment lebt, hat seine Rolle gefunden. Die (vermeintlich) letzte Station seiner Karriere ist Audi. Die VW-Tochter geht ab kommender Saison mit einem eigenen Werksteam an den Start, übernimmt den Sauber-Rennstall.
Die Verantwortlichen wollen innerhalb von vier Jahren um die beiden WM-Titel mitfahren. Intern ist klar, dass Hülkenberg einer der zentralen Bausteine auf dem Weg sein wird. Mit seiner Erfahrung soll er helfen, das Team zu entwickeln. Dass der Deutsche dann selbst noch hinter dem Steuer sitzt, schließt er nicht aus. Fernando Alonso (43) und Lewis Hamilton (40) sind der Beweis für ihn, dass Piloten auch im gehobenen Rennfahrer-Alter noch Top-Leistungen bringen können.
Formel-1-Legende David Coulthard (54) zu SPORT BILD: „Nico wird dem Team helfen, aus den Startlöchern zu kommen. Die Aufgabe ist natürlich riesig, aber er hat gezeigt, dass er immer das Maximum rausholen kann. Ich traue ihm grundsätzlich alles zu – auch weitere Podien.“
Für den Fall hat Hülkenberg jetzt auch gelernt, dass er seinen Helm mitbringen muss …
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